• Jakobsweg,  Spanien

    Jakobsweg #10 – “In vino veritas, in aqua sanitas”

    Die Weinregion La Rioja Heute Morgen heißt es für mich Abschiednehmen – meine Pilgermama tritt ihre Heimreise an. So ist das Pilgerleben, ein ständiges Kommen und Gehen. Eine freundschaftliche Umarmung, das Versprechen, einander im realen Leben wiederzusehen sowie ein letztes ¡Bueno Camino! und ich bin dahin. Mit Wehmut in der Brust, führt mich meine Reise nun wieder auf Solopfaden quer durch Spanien. Gesellschaft zu haben ist wunderbar, dennoch freue ich mich auch über die Momente, die ich nur mit mir selbst teilen kann. Das Pilgerdasein ist geprägt, durch die Begegnungen…

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    Jakobsweg #9 – Die Wiederbegegnung mit dem Schnarcher

    Von Puente la Reina nach Estella Über die Brücke von Puente la Reina verlasse ich die Stadt. Das Landschaftsbild verändert sich – auf dem Weg nach Estella wird der Pilgerweg immer ebener, die hügelige Berglandschaft wechselt über in eine langgezogene Ebene, vorbei an Feldern, Olivenhainen und vereinzelten Weinstöcken. Bald werde ich das Baskenland hinter mir lassen und endlich in die fruchtbare Weinregion La Rioja eintauchen. Die Architektur der kleinen Dörfchen mutet jetzt gedrungener an, an den unebenen Wänden der Natursteinhäuser ranken Weinreben empor. Auch die Farben verändern sich – die…

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    Jakobsweg #8 – Wo sich der Sternenweg mit dem Weg des Windes kreuzt

    Von Pamplona nach Puente la Reina… Die Nacht in dem schönen Hostel entwickelt sich zum Alptraum. Obwohl ich mich für ein 4-Bett Zimmer im Frauenschlafsaal entschieden habe, gibt es tatsächlich eine Person (ja, eine FRAU) die die Wände mit ihrem Schnarchkonzert zum Erzittern bringt. Um 5:00 Uhr früh gebe ich die Hoffnung auf, noch Schlaf zu finden. Genervt und gereizt stehe ich als eine der Ersten auf und erledige das Morgenritual. Die Stadt ist noch in Dunkelheit gehüllt. Eigentlich wollte ich erst bei Tageslicht zur nächsten Etappe aufbrechen, da ich…

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    Jakobsweg #7 – Hemingway & Pintxos

    Auf nach Pamplona… Obwohl ich, bedingt durch die letzte Nacht, unausgeschlafen und knatschig bin, finde ich schnell wieder in meinen Rhythmus. Nach zweistündigem Wandern treffe ich zufällig wieder auf Regina und ihre Begleitung aus Luxemburg. Wir fallen uns wie gute alte Freunde um den Hals. Ab jetzt habe ich wieder Reisegesellschaft und durch das Plaudern vergeht die Zeit wie im Flug. Regina, unsere Pilgermama mit robusten 50, besitzt bereits Pilgererfahrung. Sie erzählt uns, dass sie letztes Jahr von Burgos aus auf dem Camino gestartet ist und heuer nur die verabsäumten…

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    Jakobsweg #6 – Die Begegnung mit dem Schnarcher

    Von Roncesvalles nach Zubiri… Heute wird mich meine Etappe bis nach Zubiri führen, nur knapp 23 km! Eigentlich eine sanfte Kilometervorgabe, wenn der Weg nur nicht so steil bergab führen würde…Ich erwache relativ früh, noch vor dem Weckerläuten um 7:00 Uhr. Die kühle Bergluft weht durch das offene Fenster herein, endlich kann ich durchatmen. Ich spüre meinen Körper, die Oberschenkel und die Schultern schmerzen leicht. Nicht gerade motivierend ist daher das Hinweisschild, vor meiner Unterkunft, welches mir die Entfernung bis nach Santiago de Compostela verkündet: Ein Katzensprung von 790 km!!!!!!!…

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    Jakobsweg #5 – Überquerung der Pyrenäen

    Von Saint Jean Pied de Port nach Roncesvalles… Der Berg ruft! Es ist 6:30 Uhr in der Früh, der Wecker läutet und ich weiß, was mir heute bevorstehen wird: die Querung der Pyrenäen. Ich hatte eine sehr kurze und durchwachsene Nacht, da ich aus Nervosität nur bedingt Schlaf fand. Einen Blick von meinem Balkon aus auf die Landschaft geworfen, verspricht es ein klarer und heißer Tag zu werden. Luis bereitet mir noch ein deftiges Frühstück zu, um meine Energietanks auf volle Touren zu bringen. Dennoch bekomme ich nur aus Höflichkeit…

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    Jakobsweg #4 – Ab jetzt muss ich „stempeln gehen“

    Ankunft in Saint Jean Pied de Port… Am Bahnhof von Bayonne angekommen, setze ich mich zu allererst einmal in die warme Sonne. Durchatmen, mehr oder weniger, denn das Thermometer zeigt heiße 31° C an…Einerseits angenehm, andererseits befällt mich eine böse Vorahnung ob der bevorstehenden 1. Etappe morgen früh…schwerer Rucksack, Überquerung der Pyrenäen auf einer Höhe von 1400 Meter, plus Hitze?? Während ich vor mich hin grüble, beobachte ich das Geschehen um mich herum: Pilger, soweit das Auge reicht! Wird das jetzt immer so sein, die nächsten Wochen? Wie viele dieser…

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    Jakobsweg #3 – Mit dem Zug nach Saint Jean Pied de Port

    Ich stehe kurz vor Mittag auf dem Bahnhof von Hendaye. Nervös bis in die Zehenspitzen, gibt es nur eine vernünftige Lösung: ein Glas Wein. In dem kleinen Café vor dem Bahnhof bekommt man ein anständiges Glas Rosé. ¡Salud! Auf deine Reise, mein Schatz! Ich spüre schon den Kloß in meinem Hals, während mir mein Mann aufmunternd zuprostet…Ich hasse Abschiedsszenen – besonders auf Bahnhöfen oder Flughäfen und wie immer, immer, immer werde ich heulen müssen… Nicht einmal der Wein schafft es heute, meine Nerven herunterzufahren. Abschied für viele Wochen! Naja, nur…

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    Jakobsweg #2 – Auftakt meiner Pilgerreise

    Genaugenommen beginnt meine Reise schon am 22. August 2018, meinem Geburtstag. An diesem Tag fliege ich mit meinem Mann von Wien nach Madrid. Von dort aus geht es mit dem Mietwagen weiter nach Salamanca, Schauplatz meines 6monatigen Studienaufenthaltes während des Wintersemesters 2015/16. Ich liebe diese Stadt – jeder Winkel ist mir vertraut, mit jeder Plaza verbindet mich eine schöne Erinnerung, warum also nicht hier meinen 35. Geburtstag feiern? Während unseres 10-tägigen Roadtrips führt uns unsere Reise weiter in den Norden Spaniens, entlang der schroffen Küsten Asturiens, Kantabriens und des Baskenlandes,…

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    Jakobsweg #1 – Warum pilgern?

    Der Zeitpunkt, an dem ich zum ersten Mal ernsthaft über eine Pilgerreise nach Santiago de Compostela nachdachte, lässt sich aus heutiger Sicht nicht mehr genau rekonstruieren. Fest steht nur, dass mein Studium der Hispanistik und der damit verbundene kulturhistorische Aspekt mit Sicherheit eine tragende Rolle gespielt haben. Als dann die ersten Reiseberichte in den Medien kursierten (Paulo Coelho, Shirley McLain, Harpe Kerkeling, etc.) und die Allgemeinheit sukzessive gefallen an der Pilgerei entwickelte, musste wohl auch bei mir der Stein des Anstoßes losgetreten worden sein. Bereits 2016, nach meinem halbjährigen Studienaufenthalt…